Wir versammeln uns heute hier, um an die Menschenrechte zu erinnern und diese in unserem Land einzufordern. Traurig und erschreckend zugleich, dass wir uns dazu gezwungen sehen  – doch die unerträgliche Stimmungsmache gegen Geflüchtete und die rechtlichen Bestimmungen, die Integration und Teilhabe verhindern, werden wir nicht hinnehmen.

Blind vor Sorge um Wählerstimmen von Wutbürgern und Angstmachern – die doch nur eine Minderheit in der Bevölkerung stellen – missachtet die Bayrische Landesregierung den viel größeren Teil ihrer Mitbürgerinnen und –bürger. Nämlich diejenigen, die die Hauptaufgabe der Gestaltung einer sozialen und friedlichen Gesellschaft schultern. Sie ignoriert dabei auch, dass Integration, das Aufeinander Zugehen und die Hilfe von Menschen für Menschen in dieser Stadt und in den Kommunen dieses Landes längst passieren. Seit Jahren – teilweise seit Jahrzehnten.

Gerade der Verbund von öffentlichen und privaten Initiativen, von ehrenamtlichem und beruflichem Einsatz, bewirkt unvergleichbar viel Engagement, Vision und Professionalität in der Bildungs- und Integrationsarbeit.

Die harte Arbeit, die von allen Beteiligten investiert wird, von Geflüchteten, Ehrenamtlichen, Bildungseinrichtungen und ausbildenden Unternehmen, führt zu großartigen Erfolgen, wie wir sehen.

Auch in diesem Jahr werden beispielsweise an unserer SchlaU-Schule wieder etwa 80 Jugendliche ihren Schulabschluss absolvieren, und viele weitere ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Und das trotz prekärster Lebensumstände.

Die Menschen sind dabei keine Nummern, sondern individuelle Persönlichkeiten wie, Jaru, Hava, Samir und Suleiman. Jede und jeder einzelne geht uns etwas an, lebt hier mit uns, bereichert uns. Es sind junge Menschen mit eigenen Ideen und Träumen und mit unglaublicher Leistungsbereitschaft.

Umso grotesker erscheint die Haltung der Landesregierung.

Statt den hier zusammen Lebenden Mut zu machen und sie zu unterstützen, verfolgt die Regierung eine Abschreckungs- und Ausgrenzungspolitik, die so fatal wie widersinnig ist.

Junge leistungsbereite Menschen werden aus Schulen gerissen und in sogenannten Ausreisezentren zum Nichtstun verdammt. Schülerinnen und Schüler, die in kürzester Zeit ihren deutschen Schulabschluss absolviert haben, werden nicht zur Ausbildung zugelassen. Junge Menschen, die hierher flüchteten, um sich ein neues Leben aufzubauen, sehen sich einer solchen Ausweglosigkeit gegenüber, dass sie sich das Leben nehmen.

 

Könnt ihr euch vorstellen, dass unter diesen Umständen unterrichten und lernen noch funktioniert? Dass so Bildung und Integration geschehen kann? Bildung – die Grundlage nicht nur der Integration sondern auch die Grundlage einer nachhaltig friedlichen Gesellschaft!

 

Herr Seehofer, Morgen geben Sie möglicherweise bekannt, dass Sie dieses Land eine weitere Amtszeit regieren wollen. Wo bleibt Ihr Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft dieses Landes?

Herr Seehofer, schauen sie heute hierher nach München. Und auf all die Helferkreise und Initiativen in diesem Land. Dann sehen Sie, was dort bereits in Eigeninitiative alles geschaffen wurde. Und was Sie mit Ihrer Politik zunichte machen.

Wir fordern Sie daher auf, unterlassen Sie das Schüren von Ängsten und die verbale Hetze auf Kosten der Ärmsten, unterlassen Sie das Erfinden einer Zweiklassengesellschaft für geflüchtete Menschen in Not!

Nehmen Sie die unsägliche Anweisung Ihres Innenministers zurück, die es großen Teilen geflüchteter junger Menschen verbietet eine Ausbildung aufzunehmen. Schließen Sie die unmenschlichen Abschiebelager in Manching und Bamberg und stoppen Sie die Abschiebungen nach Afghanistan.

Sorgen Sie vielmehr dafür, dass jeder geflüchtete junge Mensch sein Menschenrecht auf Bildung wahrnehmen kann. Ein Menschenrecht, das keinen Unterschied darin macht, woher jemand kommt oder wohin jemand geht. Jedem jungen Mensch muss erlaubt werden, einen Beruf zu erlernen und sich damit eine Lebensgrundlage aufzubauen.

Und sorgen Sie dafür, dass die Helferinnen und Helfer ihre Unterstützung zumindest ungehindert, unbürokratisch und unter gesunden Bedingungen leisten können.

Ihr alle – die ihr heute zusammengekommen und bereits aktiv seid – erweist euch als die wirklichen Verantwortungstragenden unserer Gesellschaft! Lasst uns weiter für eine solch verantwortungsvolles, friedliches und solidarisches Miteinander kämpfen!

Hier können Sie die Rede als PDF runterladen

Rede von Antonia Veramendi – Schulleitung SchlaU-Schule

2 Gedanken zu „Rede von Antonia Veramendi – Schulleitung SchlaU-Schule

  • April 28, 2017 um 2:28 pm
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    Danke für die verstärkenden Worte. Wir sind viele.

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  • April 28, 2017 um 6:35 pm
    Permalink

    Eine großartige Rede! Danke für das Skript!

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