Liebe Freundinnen und Freunde,

zuerst einmal herzlichen Dank von uns Organisatoren der oberbayerischen Asylgipfel, Lisa Hogger, Bernhard Rieger und mir an die Organisatoren der Vollversammlung. Sie haben mit dem heutigen Tag Großartiges geleistet.

Einigen von euch und Ihnen sind wir Anfang März auf der Sternfahrt begegnet. Wir hatten uns ja zu einem Foto unter der Bavaria verabredet. 1000 waren gekommen. Das Foto wurde gemacht. Ich hatte dies Foto, wie angekündigt, auf Din A 1 vergrößert. Dieses sollte, so war der Plan, durch eine kleine Abordnung dem Innenminister übergeben werden, um sichtbar zu machen, wie viele Ehrenamtliche die Tutzinger Resolution unterstützen, die mittlerweile von 250 Helferkreisen unterschrieben wurde. Außerdem wollten und wollen wir mit der bayerischen Staatsregierung in Diskurs treten.

Wie ihr seht: Ich habe es noch. Wir haben alles versucht, um einen Termin zu bekommen. Nichts. Nicht einmal eine höfliche Absage. Schweigen! Entweder die Verwaltung hat die Anfragen über den Integrationsbeauftragten Martin Neumayer, durch unserem Landtagsabgeordneten Harald Kühn, durch die Präsidentin der bayerischen Landessynode, durch das Büro des Staatssekretärs Eck, abgefangen, so dass Minister Herrmann einfach nichts von unseren Anfragen weiß. Dann würde er aber auch keinen Münchner Merkur lesen oder Süddeutsche Zeitung, dann würde er auch kein Radio hören oder die Rundschau anschauen. Oder aber das Verhalten ist nichts anders, als die Arroganz der Macht. Und ich dachte, diese Zeiten wären in der Nach-Strauß-Ära auch in der CSU zu Ende. Ein Kenner der Szene sagte mir schon vor zwei Monaten. „Die werden das Aussitzen. Da müssen Sie einen langen Atem haben.“

Den habe ich – den haben wir! Deswegen seid Ihr / sind Sie auch heute wiedergekommen.

Auf den letzten drei oberbayerischen Asylgipfeln haben wir einige Themen sondiert – der 4. Wird am 8. Juli in München stattfinden. Über diese wollen wir mit Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen über

  1.  Die Abschiebung nach Afghanistan. Ich finde es heuchlerisch, wenn Dr Sommer aus dem Innenministerium auf der Synode der bayerischen Landeskirche und nun auch in Antwortbriefen an Unterstützer, verkündet, ein Zeichen, dass Afghanistan sicher sei, sei dass offensichtlich 3000 Afghanen sogenannt freiwillig zurückgekehrt seien. Diese Argumentation setzt uns Helfer und auch die Afghanen, die ernsthaft überlegen, unter Druck.
  2. Wir wollen sprechen über das grundsätzliche Arbeitsverbot, das große Gruppen von Asylbewerbern trifft. Davon hat niemand etwas: weder die Asylbewerber, noch die Helfer, die Betriebe, die Wirtschaft, die Bürgermeister und Nachbarn und nicht zuletzt die Steuerzahler.
  3. Die Reduzierung der sog „Ein Euro Jobs“ von 1,05 auf 80 Cent müssen diskutiert werden. Wir hatten eine Erhöhung auf 2,50 erwartet und erhofft.
  4. Der Abbau von dezentralen Unterkünften zu Gunsten von großen Regierungsunterkünften ist kritisch zu hinterfragen.
  5. Hinzu kommt nun die drohende Anrechnung eines Schlafplatzes für Arbeitende in Höhe von 306 Euro. Auf dem freien Mietmarkt würde ein Vermieter der Wucherei angeklagt werden, wenn er ein Zimmer mit vier Personen und einer Dusche für 10 Personen für 300 Euro vermieten würde.
  6. Und das auch noch Rückwirkend: Ich habe von einem Fall in Kreis Landsberg gehört, da muss ein ahnungsloser Asylbewerber ein gutes halbes Jahr rückwirkend zahlen. 2000 Euro!
    Das sind nur sechs Punkte von sicher 15, über die wir mit dem Innenminister reden wollen und müssen – mit dem ich übrigens weder verwandt noch verschwägert bin. Warum ignorieren die Verantwortlichen das Wissen und das Gespür von uns Experten an der Basis? Denn eins kann ich nach vielen Gesprächen mit Geflüchteten und ehrenamtlichen Unterstützern sagen: Diese Repressionen, dieses mürbe machen der Asylbewerber wird kaum bewirken, dass einer freiwillig ins Heimatland zurückgeht, und der Wunsch nach dem „Schlaraffenland Deutschland“ wird durch solche Maßnahmen wohl kaum gebrochen.

    Sie erlauben mir als evangelischen Pfarrer zum Schluss einen
    Vers aus dem Hebräerbrief 13,2 zitieren: Gastfrei zu sein vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

    Hier können Sie die Rede als PDF runterladen

Rede von Pfarrer Jost Herrmann – Koordinator der Asylhelfer im Landkreis Weilheim

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